Daft Punk-Interview von The Hollywood Reporter
Das englischsprachige Magazin The Hollywood Reporter (THR) hat sich im Dezember mit Daft Punk in den Henson Studios in Hollywood für ein Interview getroffen, welches am 16. Dezember 2010 veröffentlicht wurde. Logischerweise geht es hauptsächlich um den Soundtrack zum Film Tron: Legacy. Es werden aber auch Thomas’ und Guy-Mans Erfahrungen mit dem ersten Tron-Film aus dem Jahre 1982 erwähnt. Weiterhin geben sie Aussagen zu ihrem Verhältnis mit der Technologie und ihren Plänen, was die Zukunft von Daft Punk betrifft, ab.
Daft Punk Fanboy hat sich die Mühe gemacht, das englische Interview ins Deutsche zu übersetzen:

THR: Wie hat man euch zu diesem Film gebracht?
Thomas Bangalter: Zuerst haben wir gehört, dass man ohne wirklichen Erfolg versucht hatte, uns zu kontaktieren, also sind wir selbst zu den Leuten zurück gekommen. Das war ziemlich lange her, so im Herbst 2007. Regisseur Joe Kosinski kam in den frühen Phasen der Entwicklung des Films auf uns zu. Es gab nicht mal ein richtiges Drehbuch. Zu dieser Zeit waren wir noch auf Tour und wir haben fast ein Jahr gebraucht, um uns zu entscheiden, ob wir den Wunsch und die Energie haben, in eine solche Sache einzutauchen.
THR: Was hat euch zu dem Gedanken gebracht, dass dieser Film gut sein würde, obwohl es noch gar kein Drehbuch gab und die Produktion noch nicht begonnen hatte?
Bangalter: Man weiß nie, ob etwas gut sein wird, aber das Interessante für uns war, dass Joe gleichzeitig an diesem Film mit Steven Lisberger gearbeitet hat, dem Regisseur des ersten Films, welchen wir sehr bewundern und respektieren. Dass Jeff Bridges dabei ist, hat ebenfalls geholfen.
Wir waren an der Beziehung zwischen Gesellschaft und Technologie interessiert, genauso daran, wie sehr sich der Platz der Technologie in der Welt verändert hat. Der erste Film von 1982 war sehr bunt, voller Hoffnung, mit einer naiven Betrachtung der Technologie und die Kraft der Computer. Dreißig Jahre später würde dieser neue Film eine dunkle und nicht harmlose Betrachtung der Technologie sein. Es stimmte damit überein, wie wir über Technologie fühlen, diese Liebes-Hass-Beziehung daran. Es kann wundervoll und erschreckend sein.
THR: Was denkt ihr über all diese Fake-Tron-Tracks, die im Internet kursierten?
Guy-Manuel de Homem-Christo: Solange wir bessere Musik herausbringen als das, was es dort draußen gibt, kann es uns nicht schaden.
Bangalter: Man erwartet viel und ist fasziniert davon, was wir sind und was Tron ist und es kann eine aufregende Sache sein und jeder kann seine eigenen Vorstellung darüber haben, wie man es gern hätte.
De Homem-Christo: Und es muss daran liegen, dass wir nicht sehr oft Musik machen und dass man viel von Tron erwartet und sich fragt, wie der Film sein könnte.
THR: Wie war es, als ihr als Kinder das erste Mal Tron gesehen habt?
De Homem-Christo: Wir sind nicht so oft ins Kino gegangen als Kinder, aber ich erinnere mich, dass ich einmal mit meinen Eltern und meinem Bruder gegangen war. Wir sahen Poster, die uns sehr begeisterten. Damals war ich acht Jahre alt.
THR: Wie hat es den heutigen Stil von Daft Punk beeinflusst, als ihr damals den originalen Tron-Film gesehen habt?
Bangalter: Ich denke, Tron ist ein gutes Beispiel für den Minimalismus. Das ist, was wir so an der Richtung des neuen Films mögen. Es kann ein großer Film sein, aber es gibt viel negativen Raum, so dass dieser minimalistische Hauch aufkommt, dieses “weniger ist mehr”-Gefühl, das wir künstlerisch sehr zu schätzen wissen.
Es hat auch zeitlose Qualitäten an sich. Eine Sache, die uns vom ersten Tron-Film noch sehr nachhallt, waren die Einflüsse, die er aus der Vergangenheit mit sich trägt. Er sah beinahe aus wie Georges Méliès’ Stummfilm “Reise zum Mond” oder Fritz Langs “Metropolis”. Er wurde in Schwarzweiß gedreht und anschließend coloriert, außerdem war es der erste Film, der computeranimierte Grafiken enthielt. Diese Brücke, etwas zu sein, dass aussieht, als wäre es in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts gemacht wurden, ebenso wie etwas, das aussieht, als wäre es 20 Jahre unserer Zeit vorraus, war schon immer etwas, dass wir an Kunst mochten.
THR: Der Soundtrack gibt ebenfalls ein unzeitgemäßes Gefühl. Es gibt elektronische Elemente, aber auch viel Raum für Streicher. Teilweise fühlt es sich an wie bei “Lawrence von Arabien”.
Bangalter: Witzig, dass du Lawrence von Arabien erwähnst, denn als wir begannen, uns das Konzept anzusehen, haben wir eigentlich bereits angefangen, Musik zusammenzutragen, bevor wir das Drehbuch hatten. Wir dachten an eine digitale Welt als eine Art Wüste. Wir mochten die Idee, klassische Hollywood-Filmmusik zu nehmen und zu versuchen, sie mit den viel dunkleren elektronischen und den Science-Fiction-Soundtracks der 70er Jahre aufeinandertreffen zu lassen, wie John Carpenter.
THR: Tron: Legacy spielt mit der Idee, dass die Technologie es uns möglich macht, Doppelgänger in der digitalen Welt zu erschaffen. Die heutigen sozialen Medien geben uns allen eine andere Persona. Wie reflektieren eure Kostüme diese Idee, eine andere Persona darzustellen?
Bangalter: Wir kommen uns wirklich manchmal vor wie die Zauberer von Oz: Wir sind die Typen hinter den Vorhängen, die ein paar Knöpfe drücken. We mögen es, die Fantasie anzuregen und die Linien zwischen Fiktion und Realität zu verwischen. Aber Technologie macht das ganze eigentlich schwerer. Wie ein Zauberer, der einen Zaubertrick vor 30 Jahren hatte, der selbe Zauberer macht diesen Zaubertrick im heutigen, digitalen Zeitalter, es ist viel komplizierter, dass Geheimnis zu bewahren und den Trick geschehen zu lassen, aufgrund dieser Zugänglichkeit.
THR: Würdet ihr jemals eure Kostüme beiseite legen?
De Homem-Christo: Das existierte alles vor den Kostümen.
Bangalter: Wir finden, wir schaffen damit etwas ästhetisches, wir mögen die Idee der Evolution. Bisher haben wir das mit jedem Bisschen an Musik ausgebaut, anstatt das, was wir geschafft haben, zurückzuziehen oder zu zerstören.
THR: Arbeitet ihr an weiteren Soundtracks?
Bangalter: Wir sagen niemals nie. Wir wollen mehr Daft Punk-Musik machen. Wir haben viel von dieser Sache gelernt. Wir finden es gut, eine solche Ergänzung zu unserer Palette bekommen zu haben. Es gab uns definitiv neue Möglichkeiten, traditionelle Instrumente den elektronischen hinzuzufügen. Wir versuchen jede Form von Kunst zu probieren, um uns selbst auszudrücken.
THR: Wie sieht es mit einer neuen Daft Punk-Platte aus?
Bangalter: Wir haben erst diese Sache beendet, was eine Herausforderung war und wir arbeiten jetzt and Dingen, die kommen werden.
De Homem-Christo: Wir möchten uns noch ein paar Überraschungen aufheben. Es ist immer besser so.
Hier gibt es den originalen Artikel von The Hollywood Reporter.